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«Sein Traum ist wahr geworden»


Zürichsee-Zeitung Bezirk Meilen, Donnerstag, 17. November 2016
Text: Maria Zachariadis  /  Bild: Moritz Hager

KÜSNACHT  |  19 Jahre hat der Kantor und Organist Andreas Gut für die Kirchenmusik in Küsnacht gearbeitet und sie geprägt. Im Februar 2017 wechselt er als Domkapellmeister nach St. Gallen – ein schmerzlicher Personalabgang für die Pfarrei.

Seine Vorgesetzten und die anstellende Behörde der Katholischen Kirchgemeinde Küsnacht-Erlenbach lassen Andreas Gut nur ungern ziehen. Der Pfarreibeauftragte Matthias Westermann sieht den Weggang mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite sei da der Stolz, dass ein Mitarbeiter ein so profiliertes Amt übernehmen darf. Andererseits macht er sich Sorgen, wer die Lücke schliessen soll. Denn Gut hinterlässt grosse Fussstapfen.

Der heute 48-jährige Andreas Gut trat im März 1998 seine Stelle als Kirchenmusiker am Zürichsee an. Sein Wirken beschränkte sich in den ersten Jahren auf die Einsätze an Gottesdiensten und kirchlichen Anlässen als Hauptorganist. Vier Jahre später übernahm der Organist mit Ausbildung als Chorleiter die Führung der seit 115 Jahren bestehenden Kantorei St. Georg, damals noch mit etwa 24 Sängerinnen und Sängern. Inzwischen sind es 45. Kein Wunder, nennt doch Gut die Chorarbeit und die Gestaltung von Gottesdiensten «meine Passion».

Ganze Bandbreite
In der Folge kamen die Schola Gregoriana (einstimmiger Chor für gregorianischen Choral), der Kinderchor, mit dem ein bis zwei Musicalprojekte jährlich realisiert werden, der jugendliche Chor mit dem Namen Funtastic, der Silberchor für ältere Semester sowie der 35-köpfige Kammerchor Ensemble Bleu dazu. «Das sind bis zu 160 Singende jeden Alters, die sich derzeit in den sechs Chorgruppen der Pfarrei engagieren», fasst Gut das Engagement von Freiwilligen zusammen, die er mit seiner Kreativität und Musikalität für die Kirchenmusik zu begeistern verstand.

Das ist gar keine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, in welcher Kirchenchöre in der Region um ihr Überleben kämpfen oder unter Überalterung leiden. Mehr noch: «Andreas Gut hat ganz wesentlich dafür gesorgt, die Kirchenmusik in ihrer ganzen Bandbreite zu einem über die Ortsgrenzen hinaus bekannten Aushängeschild für die Pfarrei zu machen» sagt Westermann.

Er geht freiwillig
Doch nun, nach 19 Jahren, in denen der Kantor «viel ausprobieren und aufbauen» durfte, in denen er mit seinen Chören «viel gelacht, intensiv gearbeitet und keine Gelegenheit ausgelassen habe, nach einer Probe noch beim Apéro zusammenzustehen und bei Chorreisen Freundschaften zu pflegen», verlässt Gut die ihm lieb gewordene Pfarrei freiwillig. Und verwirklicht sich damit einen Traum, wobei er präzisiert: «Eigentlich wechsle ich von einer Traumstelle an eine Traumstelle.» Trotz seiner Liebe zu Küsnacht und seinen Menschen, die Teil seines Lebens geworden sind. Hier hat er kurz nach seinem Amtsantritt seine Alexandra geheiratet, und die Gemeinde hat mitgefeiert. Dennoch: «Ich habe hier eine Stufe erreicht, auf der ich an Kapazitätsgrenzen stosse.»

Also bewarb er sich letzten Frühling für die durch den Hinschied des Vorgängers frei gewordene Stelle als Domkapellmeister in einer der prachtvollsten Barockkirchen der Schweiz, der Kathedrale St. Gallen. In der Schlussrunde ist er vom Administrationsrat auserkoren und von Bischof Markus Büchel bestätigt worden.

Bischof heisst willkommen
Beeindruckt hat ihn die Einladung seines neuen Arbeitgebers zum Gallustag am 16. Oktober. Der herzliche Empfang, der seiner fünfköpfigen Familie in St. Gallen bereitet worden sei, berührte ihn. Sogar der Bischof sei persönlich auf ihn zugesteuert, um ihn willkommen zu heissen. «St. Gallen hat mit der diözesanen Kirchenmusikschule gar eine eigene Ausbildungsstätte», schwärmt nun der Kirchenmusiker, der erst nach einer KV-Lehre mit 24 Jahren das Orgelstudium angetreten hat. Für Westermann ist klar, dass Gut dank dieser Lehre mit «einer grossen administrativen Kraft ausgestattet» gewesen sei.

Mit ihren vier Chören, die Gut nach seinem Antritt am 1.Februar leiten wird, gilt die katholische Bischofskirche durch ihre liturgischen und kulturellen Angebote
in Gottesdiensten und Konzerten als Zentrum der Kirchenmusik in der Schweiz. «Hier werde ich die Chorarbeit und die Gestaltung von Gottesdienst noch mehr ausleben können», sagt Andreas Gut über die Stelle, von der er hofft, dass es seine letzte sein wird. Eine Steigerung sei nicht mehr möglich. Daneben wird er die Orchester und Instrumentalensembles leiten, die wöchentliche Domvesper planen und darin mitsingen, Domkonzerte und musikalische Meditationen planen. Auch Lehr- und Prüfungsaufgaben an der Kirchenmusikschule gehören zu seinem Pflichtenheft. «Also vieles gleich wie in Küsnacht und an der Zürcher Hochschule der Künste, nur von allem noch etwas mehr.»

Die St. Galler Kathedrale hat 1000 Sitzplätze im Hauptschiff, die Küsnachter Pfarrkirche St. Georg rund 300. Gut wird innert nützlicher Frist gegen 200 Personen kennen lernen müssen. Was ihn zusätzlich freut, ist, dass er künftig ganz nah beim Arbeitsort wohnen wird und ein eigenes Büro hat.

Nachdem er sechs Jahre in Küsnacht auch gewohnt hatte, zog er nach Jonen in den Aargau und musste danach pendeln. Für seine Nachfolge hofft er auf jemanden, «der das Begonnene mit Herz weiterführen und mit Können ausbauen kann».


Bildlegende: Kantor und Organist Andreas Gut verlässt die Pfarrei Küsnacht und wird Domkapellmeister in St. Gallen.

Pressebericht der Zürichsee-Zeitung vom 17.11.2016 als PDF downloaden

Erich Taubmann

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